Studio Notes #2: How to Become a Tree
Manche Arbeiten beginnen nicht mit einem Bild, sondern mit einer Regel.
How to Become a Tree entsteht aus einer einzigen wiederholten Handlung. Ein gehäkelter Schlauch verzweigt sich, jede Verzweigung bringt zwei neue hervor. Was zunächst wie eine einfache Struktur erscheint, entwickelt nach und nach ein Eigenleben. Die Form lässt sich nicht vorausdenken. Sie entsteht im Arbeiten selbst.
Mich interessiert dabei weniger der Baum als die Logik der Verzweigung. Sie begegnet uns überall: in Flussläufen, Wurzelsystemen, Pilzgeflechten, Blattadern, Bronchien oder neuronalen Netzwerken. Verzweigung ist eine derer grundlegenden Organisationsformen der Natur. Sie verbindet Wachstum mit Bewegung, Wiederholung mit Differenz und erzeugt Komplexität ohne übergeordnetes Zentrum.
Seit Jahren beschäftige ich mich mit Mustern als Ausdruck von Beziehungen und als Form von Kommunikation. Muster beschreiben, wie sich etwas organisiert, wie Kräfte wirken, wie sich Formen aus einfachen Regeln entwickeln. Auch diese Häkelarbeit folgt keinem Entwurf. Sie wächst langsam, Masche für Masche, über Wochen, Monate und Jahre. Sie kann jederzeit weitergeführt werden. Es gibt keinen Moment, in dem sie abgeschlossen wäre.
Das Häkeln wird dabei zu einer Form des Forschens. Die Hände wiederholen eine einfache Bewegung, während die entstehende Struktur ihre eigene räumliche Logik entwickelt, die sich zwischen Zeichnung, Skulptur und Landschaft bewegt. Sie erinnert an einen Organismus, ohne einen bestimmten Organismus abzubilden.
Vielleicht ist der Baum deshalb weniger ein Ziel als ein Verb. Nicht der Baum selbst steht im Mittelpunkt, sondern das Baum-Werden – ein fortwährender Prozess des Verzweigens, Verbindens und Wachsens.