Field Notes #2: Rambla de los Quiñoneros
Eine Wanderung durch die Rambla de los Quiñoneros nahe Águilas, vom Strand in Richtung der Berge und wieder zurück. Das trockene Flussbett liegt still unter der Sonne, doch überall sind Spuren von Bewegung sichtbar. Zwischen Kies, Sand und verwitterten Steinen lesen Stephanie Guse, Susanne Thomas und ich die Zeichen vergangener Fluten: angeschwemmte Äste, Sedimentablagerungen, geknickte Pflanzen. Die Landschaft erscheint als eine Oberfläche voller Einschreibungen – geformt von Kräften, die meist unsichtbar bleiben.
Dazwischen tauchen immer wieder Plastikfragmente aus den angrenzenden Feldern auf. Vom Wasser mitgeführt und zwischen Sträuchern und Steinen zurückgelassen, werden sie Teil der Erzählung dieses Ortes. Natürliche Prozesse und menschliche Eingriffe lassen sich hier nicht voneinander trennen. Sie überlagern sich, bilden Schichten und Muster, die von den komplexen Verflechtungen zwischen Landschaft, Klima und Kultur erzählen.
Die Rambla begegnet mir als ein Geflecht aus Spuren, Verschiebungen und Ablagerungen. Nichts erscheint abgeschlossen; alles verweist auf vergangene Bewegungen und zukünftige Veränderungen. In dieser Landschaft erkenne ich etwas, das auch meine künstlerische Arbeit prägt: das Interesse an Schichten, an Einschreibungen von Zeit und an Formen, die aus der Überlagerung unterschiedlicher Prozesse entstehen. Die Rambla wird zu einem Denkraum, in dem sich Fragen nach Erinnerung, Transformation und den verborgenen Geschichten eines Ortes verdichten.