Nicht über Pflanzen sprechen. Mit ihnen denken.

Monotypie & Malerei/Acryl auf Papier, 70 × 30 cm, Serie, 2026

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Vielleicht besteht eines der folgenreichsten Missverständnisse der Moderne darin, dass wir glaubten, nur Menschen würden Fragen stellen.

Ich habe Pflanzen nie als Kulisse betrachtet. Sie waren für mich immer Lebensgefährt*innen – Wesen, die mit mir die Welt teilen. Es verwundert mich, mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Kultur ihnen Intelligenz, Persönlichkeit oder Bewusstsein abspricht. Pflanzen erscheinen noch immer als biologische Maschinen: stumm, passiv, verfügbar. Oder invasiv, Unkraut. Gerade diese Gewissheit kommt mir heute zunehmend fragwürdig vor.

Diese Arbeit begann mit einer Frage. Nicht mit einer botanischen, sondern mit einer erkenntnistheoretischen. Was geschieht mit unserem Denken, wenn wir Pflanzen nicht länger als Objekte der Betrachtung verstehen, sondern als Wesen, die unsere Vorstellungen von Welt herausfordern? Was verändert sich, wenn wir aufhören, ausschließlich über Pflanzen zu sprechen, und beginnen, mit ihnen zu denken?

Die Serie umfasst rund dreißig direkte Drucke verschiedener Pflanzenarten – darunter Essigbaum (Rhus typhina), Götterbaum (Ailanthus altissima), Japanischer Knöterich (Fallopia japonica), Sommerflieder (Buddleja davidii) und weitere überwiegend neophytische oder als invasiv bezeichnete Arten. Jede Pflanze hinterlässt ihren unmittelbaren Abdruck auf Papier. Den Drucken sind in Schablonenschrift ausgeschnittene Sätze zugeordnet. Diese Texte beschreiben die Pflanzen nicht. Sie entstehen aus ihrer materiellen Präsenz und formulieren Fragen, deren Ursprung bewusst offen bleibt.

Are roots another way of thinking?

If I had your language, would you listen?

I grow where you have abandoned care.

I am telling the truth about your landscapes.

Why must every living thing serve your economy?

Wer spricht hier? Wer stellt diese Fragen? Wer beobachtet wen?

Die Arbeiten beantworten diese Fragen nicht. Sie verschieben vielmehr die Bedingungen, unter denen sie überhaupt gestellt werden können. Sie laden dazu ein, die vertraute Ordnung zu verlassen, nach der allein der Mensch fragt, erkennt und spricht, während Pflanzen als stumm bleiben.

Diese Ordnung hat die europäische Moderne entscheidend geprägt. Seit der Aufklärung wurde Natur vor allem als Objekt wissenschaftlicher Erkenntnis verstanden – etwas, das vermessen, klassifiziert, kultiviert und kontrolliert werden konnte. Pflanzen wurden gesammelt, katalogisiert und in ökonomische Zusammenhänge überführt. Die Geschichte der Botanik ist deshalb eng mit kolonialen Expeditionen, botanischen Gärten und globalen Handelsnetzwerken verbunden. Pflanzen zirkulierten als Nutzpflanzen, Zierpflanzen oder Rohstoffe und wurden Teil einer Welt, in der Leben nach seinem Nutzen bewertet wurde.

Gerade jene Arten, die heute als invasiv bezeichnet werden, machen diese Geschichte sichtbar. Fast keine von ihnen hat beschlossen, Grenzen zu überschreiten. Sie wurden vom Menschen eingeführt, transportiert und kultiviert. Dass sie heute als Bedrohung erscheinen, verweist weniger auf ihre Biologie als auf kulturelle Vorstellungen von Zugehörigkeit, Reinheit und Kontrolle. Begriffe wie heimisch, fremd oder invasiv erzählen deshalb immer auch Geschichten darüber, wie Gesellschaften Ordnung herstellen und Abweichung definieren.

Die Pflanzen dieser Serie erscheinen jedoch weder als Opfer noch als Täter. Sie werden nicht illustriert und nicht repräsentiert. Ihre Blätter hinterlassen eine physische Spur auf dem Papier. Der Abdruck ist kein Bild von einer Pflanze; er ist das Resultat ihrer unmittelbaren Berührung. Die Pflanze wird nicht zum Motiv, sondern zur Mitgestalterin des Bildes.

Damit verschiebt sich auch der Begriff des Bildes selbst. Das Bild entsteht nicht allein durch den Blick des Menschen, sondern aus einer Begegnung zwischen Pflanze, Papier, Farbe und Zeit. Es dokumentiert keine äußere Form, sondern eine Beziehung. Die Arbeiten verstehen den Abdruck nicht als Reproduktion, sondern als Ereignis.

Diese Verschiebung berührt eine grundlegende Veränderung unseres Weltverständnisses. Philosophinnen und Philosophen wie Bruno Latour, Donna Haraway, Michael Marder oder Emanuele Coccia haben gezeigt, dass die scheinbar eindeutigen Trennungen zwischen Natur und Kultur, Mensch und Umwelt oder Subjekt und Objekt zunehmend brüchig werden. Pflanzen erscheinen in diesem Denken nicht länger als passiver Hintergrund menschlicher Geschichte, sondern als Mitproduzent*innen jener Welt, in der wir leben. Sie erzeugen Atmosphäre, Nahrung und die Bedingungen allen komplexen Lebens. Wir bewohnen nicht einfach dieselbe Welt wie die Pflanzen – wir leben in einer Welt, die ohne sie nicht existieren würde.

Diese Perspektive ist nicht neu. In zahlreichen indigenen Kosmologien gelten Pflanzen als Verwandte, Lehrende und eigenständige Personen. Kommunikation mit ihnen wird nicht als poetische Metapher verstanden, sondern als Teil einer gelebten Beziehung zur Welt. Neu ist vielmehr, dass auch westliche Philosophie, Pflanzenforschung und zeitgenössische Kunst beginnen, Begriffe zu entwickeln, um diese Möglichkeit erneut denken zu können.

Die Fragen sind deshalb keine literarischen Zuschreibungen. Sie behaupten nicht, Pflanzen würden menschliche Sprache sprechen. Vielmehr machen sie sichtbar, dass Sprache nur eine von vielen Formen der Kommunikation sein könnte. Pflanzen kommunizieren chemisch, atmosphärisch, über Pilznetzwerke, Berührungen, Wachstumsbewegungen und zeitliche Prozesse. Ihre Beziehungen zur Welt verlaufen nicht linear, sondern als komplexe Geflechte gegenseitiger Abhängigkeiten.

Die Texte dieser Serie verstehen sich als spekulative Übersetzungen einer Sprache, die uns (noch) nicht zugänglich ist. Sie markieren den Moment, an dem unsere Begriffe ins Wanken geraten. Nicht weil Pflanzen plötzlich sprechen, sondern weil wir beginnen, die Grenzen unseres eigenen Denkens wahrzunehmen.

Gerade darin liegt die politische Dimension der Arbeiten. Die Pflanzen erscheinen nicht länger als Gegenstand menschlicher Interpretation. Sie werden zu Beobachterinnen des Anthropozäns. Sie betrachten eine Spezies, die Böden versiegelt, Flüsse begradigt, Arten verdrängt und ganze Landschaften nach ökonomischen Maßstäben organisiert. Die Blickrichtung kehrt sich um. Nicht wir untersuchen die Pflanzen. Die Pflanzen befragen uns.

Vielleicht besteht die eigentliche Verschiebung dieser Arbeiten deshalb nicht darin, Pflanzen sichtbar zu machen. Sichtbar waren sie immer. Verändert wird vielmehr der Ort, von dem aus wir auf sie blicken. Die Arbeiten laden dazu ein, Pflanzen nicht als Objekte unseres Wissens zu betrachten, sondern als Gegenüber, Beteiligte, mit denen wir unsere Begriffe von Bild, Sprache und Denken neu verhandeln.

Eine andere Form der Bildpraxis beginnt genau hier. Nicht indem sie Pflanzen zeigt, sondern indem sie zulässt, dass sie unsere Vorstellungen von Welt verändern. Nicht indem sie über Pflanzen spricht, sondern indem sie versucht, mit ihnen zu denken.

Ausstellungen: Parallel Vienna 2026

Not Speaking About Plants. Thinking With Them.

Perhaps one of the most consequential misunderstandings of modernity is the belief that only humans ask questions.

I have never regarded plants as a backdrop. They have always been companions to me—beings that share the world with us. I am struck by the ease with which our culture continues to deny them intelligence, personality, or consciousness. Plants still appear as biological machines: silent, passive, available. Or invasive, weeds. It is precisely this certainty that seems increasingly questionable to me today.

This work began with a question. Not a botanical one, but an epistemological one. What happens to our thinking when we no longer understand plants as objects of observation, but as beings that challenge our ideas of the world? What changes when we stop speaking exclusively about plants and begin to think with them?

The series comprises around thirty direct prints of different plant species—including staghorn sumac (Rhus typhina), tree of heaven (Ailanthus altissima), Japanese knotweed (Fallopia japonica), butterfly bush (Buddleja davidii), and other species that are predominantly neophytes or described as invasive. Each plant leaves its immediate imprint on paper. The prints are accompanied by sentences cut in stencil lettering. These texts do not describe the plants. They emerge from their material presence and formulate questions whose origin is deliberately left open.

Are roots another way of thinking?

If I had your language, would you listen?

I grow where you have abandoned care.

I am telling the truth about your landscapes.

Why must every living thing serve your economy?

Who is speaking here? Who is asking these questions? Who is observing whom?

The works do not answer these questions. Rather, they shift the conditions under which such questions can be asked in the first place. They invite us to leave behind the familiar order in which humans alone ask, know, and speak, while plants remain silent.

This order has profoundly shaped European modernity. Since the Enlightenment, nature has been understood primarily as an object of scientific knowledge—something that could be measured, classified, cultivated, and controlled. Plants were collected, catalogued, and incorporated into economic systems. The history of botany is therefore closely intertwined with colonial expeditions, botanical gardens, and global trade networks. Plants circulated as crops, ornamental species, or raw materials, becoming part of a world in which life was evaluated according to its usefulness.

The very species that are now described as invasive make this history visible. Almost none of them chose to cross borders. They were introduced, transported, and cultivated by humans. Their appearance today as threats tells us less about their biology than about cultural ideas of belonging, purity, and control. Terms such as native, foreign, or invasive therefore always tell stories about how societies establish order and define deviation.

The plants in this series, however, appear neither as victims nor as perpetrators. They are neither illustrated nor represented. Their leaves leave a physical trace on the paper. The imprint is not an image of a plant; it is the result of its immediate contact. The plant does not become the motif, but a co-creator of the image.

This also shifts the very notion of the image. The image does not emerge solely from the human gaze, but from an encounter between plant, paper, pigment, and time. It does not document an external form, but a relationship. The works understand the imprint not as a reproduction, but as an event.

This shift touches upon a fundamental transformation in our understanding of the world. Philosophers and thinkers such as Bruno Latour, Donna Haraway, Michael Marder, and Emanuele Coccia have shown how the seemingly clear distinctions between nature and culture, human and environment, or subject and object are becoming increasingly unstable. In this perspective, plants no longer appear as a passive backdrop to human history, but as co-producers of the world we inhabit. They generate atmosphere, food, and the conditions for all complex life. We do not simply inhabit the same world as plants—we live in a world that could not exist without them.

This perspective is not new. In numerous Indigenous cosmologies, plants are understood as relatives, teachers, and autonomous persons. Communication with them is not regarded as a poetic metaphor, but as part of a lived relationship with the world. What is new, rather, is that Western philosophy, plant research, and contemporary art are also beginning to develop concepts through which this possibility can once again be thought.

The questions are therefore not literary projections. They do not claim that plants speak a human language. Rather, they make visible the possibility that language is only one of many forms of communication. Plants communicate chemically and atmospherically, through fungal networks, touch, growth movements, and temporal processes. Their relationships with the world do not unfold linearly, but as complex webs of mutual dependency.

The texts in this series can be understood as speculative translations of a language that is not yet accessible to us. They mark the moment at which our concepts begin to falter. Not because plants suddenly speak, but because we begin to perceive the limits of our own thinking.

This is precisely where the political dimension of the works emerges. Plants no longer appear merely as objects of human interpretation. They become observers of the Anthropocene. They observe a species that seals soils, straightens rivers, displaces other species, and organizes entire landscapes according to economic imperatives. The direction of the gaze is reversed. We are not examining the plants. The plants are questioning us.

Perhaps the fundamental shift enacted by these works, then, is not to make plants visible. They have always been visible. What changes is the position from which we look at them. The works invite us to understand plants not as objects of our knowledge, but as counterparts and participants with whom we renegotiate our concepts of image, language, and thought.

Another form of image-making begins precisely here. Not by depicting plants, but by allowing them to transform our ideas of the world. Not by speaking about plants, but by attempting to think with them.

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