mäANDERND
Ausstellung mit Simon Goritschnig & Hannah Stippl
Vernissage am Freitag, 29. Mai 2026 um 19 Uhr
Begrüßung durch Klaudia Stöckl
Zur Ausstellung spricht Nina Schedlmayer, Kulturjournalistin und Kunsthistorikerin
Finissage am Sonntag, 28. Juni 2026, 15- 18 Uhr
Stadtgalerie raumimpuls, Oberer Stadtplatz 32, 3340 Waidhofen/Ybbs
Bedeutungen: [1] Geographie: (bezogen auf Flüsse, Bäche) einen gewundenen Verlauf wie der Mäander aufweisen, sich in Mäanderform bewegen. [2] allgemein: ein kurvenreiches, verschlungenes Muster aufweisen.
Wer mäandert, nimmt Thema und Weg ernst und gibt sich selbst dazu – als Gast und Gastgeber, passiv und aktiv zugleich. Wer mäandert, folgt nicht immer dem Weg des geringsten Widerstands, sondern sammelt Energie, wo es möglich ist, um Durchbrüche ins Unmögliche zu schaffen. Mäandernd lässt sich denken, erzählen, zeichnen und malen. Das Denken mit Systemen, die sich permanent verändern und dennoch miteinander verbunden bleiben, verlangt das Loslassen linearer Logik zugunsten verschlungener Muster. Mäanderndes Denken öffnet Räume für Fragen, Hypothesen und Gedankenexperimente.
Im Zentrum der Arbeiten von Simon Goritschnig stehen Biologie, Archäologie und Science-Fiction. Ausgehend von der Isomorphie – dem Prinzip struktureller Gleichartigkeit – erkundet er die Möglichkeiten fremder Welten und verbindet Evolutionstheorie mit Spekulationen über unbekannte Lebensformen. Eigenwillige Gebilde durchziehen den Raum, ihr Ursprung bleibt zwischen organisch und anorganisch unbestimmt. Die im Filamentdruck entstandenen Objekte erinnern an Fossilien, in denen technische Materialität auf organische Formen trifft. Zeichnung versteht Goritschnig dabei als wandelbares Medium innerhalb technologischer Entwicklungen. Seine Graphitfrottagen und Tuschezeichnungen verbinden zoologische und botanische Fragmente mit fantastischen Strukturen und erzeugen eine Atmosphäre zwischen Vertrautem und Unbegrenztheit.
Hannah Stippl folgt in ihrer Arbeit den Mustern des Lebendigen – in Landschaften, Mythen, Ornamenten und philosophischen Konzepten. Die Abwesenheit eindeutiger Klarheit ist dabei zentral. Ihre Arbeiten verweigern das unmittelbar erfassbare Bild und erzeugen stattdessen einen labyrinthischen, mäandernden Blick. Schichten überlagern sich, das Übermalte und Unsichtbare bleiben dabei stets Teil des Bildes. Ihre Arbeiten entstehen in zeitlichen Prozessen des Überarbeitens, Verschwindens und Wiederauftauchens. Spuren bleiben erhalten und widersetzen sich einer vorschnellen, oberflächlichen Klarheit.
Simon Goritschnig und Hannah Stippl diskutieren in ihren oft raumgreifenden Arbeiten die Auswirkungen menschlichen Handelns und Erzählens auf biologische und mythologische Systeme. Sie laden Betrachter*innen dazu ein, sich in die Rolle Forschender zu versetzen und – selbst mäandernd – neue Zusammenhänge zu entdecken.