Studio Notes #1: Beyond the Frame

In den letzten Jahren hat sich mein Verhältnis zum Bild langsam verändert. Lange hat mich das Bild als Oberfläche interessiert – als Ort, an dem sich Muster, Schichtungen und Spuren verdichten. Doch zunehmend frage ich mich, warum das Bild eigentlich an seinen Rahmen gebunden sein muss.

Das klassische Verständnis des Bildes als Fenster in eine andere Welt erscheint mir immer weniger ausreichend. Vielleicht weil mich weniger die Vorstellung eines Gegenübers interessiert als die Erfahrung, Teil eines Feldes zu werden. Viele meiner Arbeiten entstehen aus Wiederholungen, aus Mustern, die sich ausbreiten, überlagern und potenziell endlos fortsetzen könnten. In solchen Momenten wird der Bildrand fast zufällig. Er markiert lediglich den Punkt, an dem etwas abgeschnitten wurde, nicht aber das Ende einer Struktur.

Mich fasziniert das All-over-Bild – ein Bild ohne Hierarchie, ohne Zentrum, ohne bevorzugte Blickrichtung. Ein Bild, in dem das Auge wandern kann, ohne sofort nach Bedeutung oder Orientierung zu suchen. Vielleicht interessiert mich gerade dieses Moment des Sich-Verlierens. Die Möglichkeit, dass eine Oberfläche nicht gelesen, sondern durchquert wird.

Gleichzeitig wächst mein Interesse an dem, was geschieht, wenn das Bild seine flache Form verlässt. Wenn Leinwand nicht gespannt wird. Wenn Papier geknickt, gefaltet oder geschichtet wird. Wenn sich eine Arbeit teilweise verbirgt, in eine Ecke zurückzieht oder in den Raum hineinragt. In solchen Situationen wird das Bild weniger zu einem Objekt der Betrachtung und mehr zu einem Körper mit eigener Präsenz.

Dabei geht es für mich nicht darum, Malerei aufzugeben oder Skulptur zu machen. Vielmehr interessieren mich die Zwischenräume. Die Momente, in denen eine Arbeit weder eindeutig Bild noch Objekt ist. Wenn Material sichtbar wird und beginnt, eine eigene Sprache zu sprechen.

Je mehr ich mich mit diesen Fragen beschäftige, desto häufiger entdecke ich Künstlerinnen, die ähnliche Wege eingeschlagen haben. Die Arbeiten von Zilia Sánchez beeindrucken mich durch ihre organischen, reliefartigen Leinwände, die zwischen Malerei und Körperlichkeit oszillieren. Bei Miriam Schapiro wird das Textile zu einem selbstverständlichen Teil des Bildes. Und in vielen zeitgenössischen Positionen zeigt sich ein erweitertes Verständnis von Malerei, das den Raum nicht mehr als Außen betrachtet, sondern als Teil des Werks.

Vielleicht ist das Bild für mich heute weniger ein Fenster als eine Membran. Eine durchlässige Oberfläche zwischen Material und Vorstellung, zwischen Raum und Fläche, zwischen dem Sichtbaren und dem, was sich nur erahnen lässt.

Noch sind diese Gedanken eher Fragen als Antworten. Aber vielleicht beginnt genau dort eine neue Arbeit: an dem Punkt, an dem das Bild seine Grenzen verliert und etwas anderes werden kann.

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Field Notes #1: After the Rain